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Nothing Personal


Auf der Suche nach der Freiheit

Christian Gertz  

Mit ihrem ersten Spielfilm sorgte die Filmemacherin Urszula Antoniak europaweit für großes Aufsehen. Auf dem Film-Festival in Locarno wurde ihr Debüt mit sechs Preisen ausgezeichnet (Best Actress: Lotte Verbeek, Best First Feature, First Prize of the Youth Jury, Fipresci Prize, Cicae Award, Special Mention Ecumenical Jury). Auch auf den Hofer Filmtagen 2009 war "Nothing Personal" der absolute Publikumsliebling. Dabei wirkt die kurze Inhaltsangabe eher abschreckend.

Junge Frau trifft auf älteren, kulturell interessierten Witwer an der Küste Irlands. Diese kurze Synopsis und auch der Trailer zu „Nothing Personal“ erinnern eher an die romantischen (oder frecher: kitschigen) TV-Spielfilme aus dem Abend-Programm des öffentlich rechtlichen Programmangebots. Doch, Vorsicht! Wie weit Urszula Antoniaks Debütfilm qualitativ von besagter TV-Unterhaltung entfernt ist, dürfte jedem Zuschauer und erst recht jeder Zuschauerin bereits in den ersten Minuten klar werden. Nur wenige Einstellungen reichen der gebürtigen Polin Antoniak, damit man ein Gefühl für den Zustand oder für die Gefühlswelt ihrer Protagonistin bekommt. Geschlagene fünf Minuten vergehen, bis überhaupt ein Wort gesprochen wird. Es sind die kleinen Gesten, auf die es ankommt. Kleine Gesten, großes Kino. So groß, dass die große Leinwand fast zu klein scheint für diese großen Momente.

Doch die Rebellin Anne, die unweigerlich an Agnés Vardas Mona Bergeron aus „Vogelfrei“, damals von Sandrine Bonnaire verkörpert, erinnert, ist bei Urszula Antoniak alles andere als eine Sympathieträgerin. Anne ist eine Aussteigerin mit allen Rückschlägen und Konsequenzen. Sie schläft im Zelt, sie ernährt sich von Essensresten und entgegnet einer freundlichen Nachfrage einer rastenden Familie auf einem Parkplatz mit schroffen Kommentaren. Selbst als sie auf den älteren Witwer Martin trifft (herausragend naturverbunden verkörpert von Stephen Rea), der der jungen Vagabundin ein warmes Bett und Essen gegen Hilfe im Garten anbietet, will man mit dieser rotzfrechen Göre nicht so recht warm werden. Vielleicht ist es dem jüngst ausgezeichneten "European Shooting Star 2010" Lotte Verbeek zu verdanken, der es allein mit nur wenigen nachdenklichen Blicken gelingt, ihrer spröden Rolle die nötige Wärme zu verleihen, dass ihre Tour de Liberté von Minute zu Minute interessanter wird. So mitfühlend verkörpert, dass man ihr nach kurzen 85 Minuten sogar die unwirklich scheinende Liebesgeschichte zum viel älteren Witwer Martin verzeiht.

Denn der naturverbundene Ire hat sie auch ohne Worte längst verstanden. Er lässt ihr das, wonach sie sich am meisten sehnt: ihre Freiheit. Ein beeindruckendes Debüt.

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